Bürgerstiftung feiert 20-Jahre-Jubiläum

Rund 160 Gäste amüsierten und unterhielten sich

 

Stiftungsfeier anlässlich des 20. Geburtstags. Foto: Fatjon Humaj
Stiftungsfeier anlässlich des 20. Geburtstags. Foto: Fatjon Humaj

 

Rund 160 Gäste unterhielten sich prächtig anlässlich des 20. Geburtstags der Freiburger Bürgerstiftung. Gefeiert wurde am Freitag, 9. Oktober 2026, im Stubenareal in Freiburg-St. Georgen. Das Programm enthielt Rück- und Ausblicke, etwas Live-Musik, eine Handvoll Erinnerungsbilder und war betont locker gehalten.

Die Bürgerstiftungsvorsitzende Antje Reinhard führte, begleitet von Mitbegründerin Reinhild Dettmer-Finke, durch den Abend. Und nicht nur in ihrem wohltuenden Wirken für die Stadtgesellschaft, auch im Ablauf des von leckerem Essen und Getränken abgerundeten Festes zeigte die Freiburger Bürgerstiftung, worauf es ihr ankommt: Angenehme Gespräche,  Wiedersehensfreuden, Sich-Kennenlernen und Austausch wurde sehr viel Zeit und Raum gegeben. Schön war’s.

Für das Schopf2Magazin, das zu seinem Start am 9. Mai dieses Jahres mit einer 750-Euro-Starthilfe der Strandkorbstiftung – einer Treuhand Stiftung der Freiburger Bürgerstiftung – unterstützt wurde, durfte ich einen Textbeitrag zum Bürgerstiftungs-Jubiläum verfassen. Hier ist er.

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„Eigentlich hätte ich ja hier gerne die Rede von Hape Kerkeling aus dem Thüringer Landtag wiederholt. Wort für Wort. Aber das Thema ist ein anderes. Und ich bin hier als Poet gebucht. Denn mit der Bürgerstiftung verbinden mich vor allem die Buchbuden – aber auch der Pitch. Beim letzten Pitch wurde dem gemeinnützigen „Schopf2-Bürger*innenmagazin für Demokratie und Kultur“ freundlicherweise von der Strandkorbstiftung etwas finanzieller Sand in die Augen gestreut, so dass wir mehr oder weniger blind losmarschieren konnten.

Zu den Buchbuden: Wer sie noch nicht kennt: Die Buchbuden wären im Ruhrgebiet so etwas wie Wörter-Trinkhallen, und sie enthalten meine persönliche Lieblingsdroge. Vor drei Jahren, bei einer Lesung zur Eröffnung der ersten Buchbude in der Bahnhofsmission, wusste ich noch nicht so recht, was ich da lesen sollte. Also las ich in meiner Verzweiflung einen Einkaufszettel vor, den ich kurz zuvor auf dem Aldi-Parkplatz in Merzhausen gefunden hatte.

Meine damalige Fantasielosigkeit hat inzwischen ein glänzendes Renommee: Die Fachwelt spricht heute von einem „narrativen Werkzeug“, von „Found Poetry“ – einem gefundenen Objekt also, das, in einen neuen Kontext gestellt, zu „Alltagsliteratur“ wird. James Joyce und Thomas Bernhard wird ein Hang hierzu nachgesagt, und es gibt Museen, die Einkaufszettel von Marilyn Monroe oder Michelangelo ausstellen. Ja, man kann da so einiges herauslesen.

Was mich zu der Frage bringt: Wie könnte eine aktuelle Einkaufsliste der Bürgerstiftung aussehen, die dann später einmal im Augustinermuseum hinter Glas ausgestellt würde? Vielleicht so:

  • 28 Kisten Bio-Äpfel vom Obsthof in Hochdorf
  • 10 Dosen wetterfester Lack, dunkelgrün, für die Auffrischung der Buchbuden im Stadtgebiet
  • 2 Tandem-Fahrräder mit je nur einer Pedaleinheit vorn und einem Seniorensattel hinten
  • 10 leuchtend-rote Gießkannen
  • 12 digitale Fotoapparate mit 180-sprchiger Bedienungsanleitung
  • 50 Großpackungen mit einer Wildblumen-Saatgutmischung
  • 200 leere Honiggläser
  • 40 Packungen Kopierpapier, 28 Klemmbretter und 250 Textmarker in allen Farben außer blau
  • 100 Apfelbaum-Setzlinge
  • Je 20 Kinder-Schwimmbrillen und Jugend-Fußbälle
  • Je 5 Wörterbücher Deutsch-Ukrainisch und Arabisch-Deutsch
  • 24 Stadttheater-Eintrittskarten zur Komödie „Die Jane-Austen-Methode“ und je 2 Packungen Fairtrade-Kaffee und -Kekse für das nächste Treffen der Zeitstifter*innen im Stiftungsrat
  • Und zuletzt das Allerwichtigste: Die Quittungen nicht vergessen!

Aber kann man das Rad noch weiterdrehen und aus einer narrativen Found-Poetry-Einkaufsliste auch einen lyrischen Text machen? Ich hab’s mal versucht.

Auf dem Einkaufszettel der Stiftung steht kein Luxus-Gut,
kein Kaviar, kein Champagner, kein Schinken – sondern Mut
Denn hier wird nicht für das eigene Bäuchlein gespart
sondern Freiburg belebt, auf die sanfte Art

Ganz oben auf dem Zettel die Bio-Äpfel, knackig, rot und rund,
die machen unsere KiTas bunt
Nur die Erzieher*innen seufzen leise beim Kauen
Müssen wir aus den Kisten jetzt auch noch Most brauen?

Für die Köpfe gibt’s Bücher, spannend, klug und rasant,
die vertreiben das Smartphone im Nu aus der Hand
mit Geschichten vom Können und Sein, die Barrieren durchbrechen
weil wir beim Lesen alle dieselbe Sprache sprechen

Und brennt im Sommer der Asphalt wie die Hölle,
greifen Freiburger*innen nun zur roten Plastik-Libelle
Der Passant kriegt ein Schlückchen, der Baum den Rest,
so wird das Gießen zum Nachbarschaftsfest

Für das Bienenglück gibt es Blumensamen en gros,
da freuen sich auch Hummeln und Wespen famos.
Nur der Allergiker niest, wenn der Blütenstaub fliegt,
aber auch er findet’s schön, wenn Hoffnung den Beton besiegt

Doch der teuerste Posten, der gar nichts kostet,
ist der Zeitstifter, der nicht länger am Sessel festrostet
man zeigt ihm die gelbe Karte und bucht ihn als Held
denn ohne dieses Ehrenamt fehlte es dann doch am Geld

So, der Einkauf ist fertig, die Taschen sind voll,
Freiburg wird grüner und alle findens toll
Nur das Stiftungskonto, das ruft leise:
Wer zahlt denn nun diese Einkaufsreise?

Da kommt dann Antje Reinhard angerannt
sie wedelt mit der EC-Karte in ihrer Hand
Und lächelt voller Zuversicht. Denn sie weiß: Stück für Stück
ist diese Bürgerstiftung – das gelebte Glück.“