Kipppunkt | Zukunft | Rabattalternativen | Cohn-Bendit | Zielwasser | Schorlau
von Arne Bicker

28 Prozent aller Wahlberechtigten würden laut ZDF-Politbarometer vom Donnerstag dieser Woche deutschlandweit faschistisch wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahlen wären. Und ein 37-jähriger Österreicher hat in Magdeburg ein „Institut für Remigration“ gegründet. Ist das ein Kipppunkt? Wird unser Land in naher Zukunft von Remigrationszentren, „RZs“ könnte ein naheliegendes Kürzel lauten, durchzogen sein, in denen als nicht genehm erklärte Menschen interniert werden? Und was wäre mit Menschen, die sich vielleicht weigerten, neben neuen Atomkraftwerken und -Endlagern zu leben? Könnte es hier bei uns in Deutschland einen Krieg geben? Wiederholt sich die Geschichte?
Konstruktiv möchte ich an dieser Stelle erneut anregen, dass wir als Gesellschaft unsere Politik statt dessen noch zukunftsgerechter gestalten könnten, indem wir uns fragen, wo unser Land, unsere Gesellschaft in zehn Jahren stehen will, wie das Leben aller Menschen hier aussehen soll, und was es dazu braucht. Ein solcher, für viele gesellschaftliche Bereiche breit angelegter, konstruktiver und lösungsorientierter Diskurs fehlt mir sehr.
Ein sogenannter ‚Tankrabatt‘ passt vielleicht nicht unbedingt in ein solches Zukunftsszenario. Das Magazin ‚Der Spiegel‘ berichtet, dass die Spritsteuernachlässe „bislang offenbar nur teilweise“ an die Verbraucher*innen weitergegeben würden. Wie das Wochenmagazin weiter schildert, wünschten sich jeweils über 70 Prozent der Teilnehmenden an einer repräsentativen Umfrage anstelle des ‚Tankrabatts‘ eine Senkung der Stromsteuer oder einen flexiblen Tankpreisdeckel, der die Gewinne der Mineralölkonzerne begrenzen solle.
Am Mittwoch hat sich das Hamas-Massaker in Israel mit vielen Toten, Verschleppten und Vergewaltigten zum dritten Mal gejährt. Israel hat daraufhin einen Krieg im Gazastreifen mit noch mehr Toten geführt, der immer noch nicht beendet ist. Vielen Menschen in Deutschland fällt es augenscheinlich aufgrund der für mich unabdingbaren und allseits missachteten Ablehnung jeder Form von Gewalt gegen Menschen schwer, zu diesen Geschehnissen eine klare, objektive Haltung zu entwickeln. In diesem Zusammenhang fiel mir ein bemerkenswert engagiertes Interview mit dem deutsch-französischen Politiker Daniel Cohn-Bendit in der 3sat-Kulturzeit am Donnerstag auf, der sehr kluge Worte findet und begründet, warum er die Hoffnung auf einen Frieden nicht aufgibt.
Im Netz gab es derweil einen Haufen beleidigender Kommentare nach einem Interview der Ehefrau des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Cem Özdemir, Flavia Zaka. Die Dame hatte harmlose Fragen zur Landesgartenschau in Ellwangen auf einem Instagram-Account in der für sie sichereren englischen Sprache beantwortet. Zaka (40) wurde in Albanien geboren, wanderte mit zwölf Jahren mit Familie nach Kanada aus und lebt seit 2025 mit Özdemir in Stuttgart. Social Media kehrt wirklich übelste Charaktereigenschaften hervor. Wozu nochmal brauchen wir das?
In Frankfurt läuft seit Mittwoch und noch bis Sonntag die 78. Frankfurter Buchmesse. Dort hat der Verlag Kiepenheuer & Witsch seinen Hauptstand C35 in der Halle 5.0. Dieser Verlag hat jüngst ein kleines Satire-Buch von Wolfgang Schorlau herausgebracht. Der 1951 in Idar-Oberstein geborene Autor ist bekannt für seine Kriminalromane um den fiktiven Stuttgarter Privatdetektiv Georg Dengler. Schorlau verwebt darin akribisch recherchierte Kritik an gesellschaftlichen und politischen Geschehnissen mit Spannungsliteratur. Wolfgang Schorlaus neuestes Werk heißt „Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter“ und beschreibt den Weg eines von der Gas-Lobby sehr geschätzten Mannes zum Bundes-Wirtschaftsminister, während dessen Mutter den Glauben an ihren Sohn verliert.
Die Woche in Deutschland (DWiD) ist eine satirische Kurznachrichten-Kuratierung, die unser Autor 2013 erstmals im deutsch-französischen Online-Magazin „Eurojournalist.eu“ eingeführt hat. Hier werden Geschehnisse der zurückliegenden Woche kuratiert und zu berichtenden Medien verlinkt.




