Der Roman „Hundeheimat“ von Don Pablo Mulemba

Eberswalde, Cottbus, Berlin, Lumbala N’guimbo – das sind Stationen einer Reise, eines Lebens, eines Hürdenlaufs. Don Pablo Mulemba, Journalist, Podcaster und jetzt auch Autor, stammt aus Eberswalde in Brandenburg. Er selbst beschreibt sich als „ganz normaler Afro-Ossi“ und sagt von sich, seine letzten 30 Jahre seien eine einzige Identitätskrise gewesen. Mulemba ist 31 Jahre alt.
Diese sehr lange Zeit des Suchens nach einem Selbst, nach einer Heimat, nach einer Familie ist es vielleicht, die den jungen Autor so feinfühlig gemacht hat, dass er seine Geschichte gleichsam radikal wie zärtlich aufschrieben konnte. In dieser ungewöhnliche Balance schildert Mulemba als Sohn einer Deutschen und eines angolanischen Vertragsarbeiters, wie er als Kind den gleichen Dialekt wie alle anderen sprach, nichts anderes kannte als die brandenburgische Provinz – und doch immer wieder zum Fremden gemacht wurde.
Seine Familie wurde in den „Springerstiefeljahren“ förmlich zerrissen: Die Eltern sahen keine Perspektive mehr, wanderten nach Angola aus. Pablo aber wollte bleiben. Mit zwölf ging er auf ein Sportinternat in Cottbus und musste als Schwarzer Jugendlicher seinen Weg finden. Seine drängenden Fragen nach Identität, Heimat und Zugehörigkeit, die ihn auch auf eine gemeinsame Reise mit seinem Vater bis nach Angola führten, beantwortet er sich und uns in „Hundeheimat“ – so benannte sein Vater dessen zweite und Don Pablo Mulembas erste Heimat.
Mulembas Geschichte ist auch die Geschichte des wiedervereinigten Deutschland mit seinen Wunden, Brüchen und der Entschlossenheit des Autors, sich dennoch eine Zukunft zu schaffen – packend, nah, authentisch und so erzählt, dass der kühnste Traum seines Urgroßvaters, der ein Sklave war, nun vielleicht endlich in Erfüllung gehen kann.
Don Pablo Mulemba – Hundeheimat. Rowohlt, erschienen am 14.08.2026, 240 Seiten, 23 Euro.




